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Italien - 20.06.2026 - Pisa

  • Autorenbild: Bummelroute
    Bummelroute
  • 21. Juni
  • 5 Min. Lesezeit


Pisa und wie wir beinahe in ein Parkhaus eingebrochen wären


Heute stand Pisa auf dem Programm.

Abfahrt war bereits um 08:00 Uhr.

Der Blick aufs Thermometer verriet allerdings sofort, dass das kein gemütlicher Frühlingsspaziergang werden würde.

Bereits am Morgen zeigte es stolze 27 Grad an.

Ja gut.

Das kann ja heiter werden.

Nach den Erfahrungen rund um Siena war eines sofort klar:


Heute keine Landstrassen.

Keine Schlaglöcher. Keine Gebirgspässe.

Keine unfreiwilligen Chiropraktiker-Termine.

Einfach direkt nach Pisa.

Rund eine Stunde Fahrzeit.

So loben wir uns das.



Das ominöse Schild des Schicksals


Als Parkplatz hatten wir uns das Parcheggio Saba Vittorio Emanuele II ausgesucht.

Auch hier funktioniert die Einfahrt problemlos mit Telepass.


Wir steuerten direkt das -3. Untergeschoss an.

Schliesslich gilt auf Reisen die einfache Regel:

Je tiefer das Parkhaus, desto kühler das Auto.

Um diese Uhrzeit war die Garage praktisch menschenleer. Perfekt für Woody.


Beim Verlassen der Tiefgarage fielen uns mehrere Schilder auf.

Irgendetwas mit Telepass.

Irgendetwas mit Ausfahrt.

Irgendetwas mit einer Nummer.

Aber ganz ehrlich:

Wer liest denn im Urlaub freiwillig lange italienische Hinweistafeln?


Ausserdem ist unser Italienisch ungefähr gleich ausgeprägt wie die Schwimmfähigkeiten eines Backsteins.


Also ignorierten wir die Schilder gekonnt.

Eine Entscheidung, die später noch wichtig werden sollte.

Sehr wichtig sogar.



Erste Schritte durch Pisa


Kaum aus dem Parkhaus heraus standen wir direkt vor dem Monumento a Vittorio Emanuele II.


Das Denkmal wurde zu Ehren von König Viktor Emanuel II errichtet, dem ersten König des vereinten Italiens. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Einigung des Landes im 19. Jahrhundert und wird deshalb vielerorts mit imposanten Denkmälern geehrt.



Von hier aus führt rechts eine Einkaufsstrasse ins Stadtzentrum.


Wir entschieden uns jedoch für die linke Route entlang der Via Giuseppe Mazzini.


Bereits nach wenigen Metern wartet dort die nächste Sehenswürdigkeit.



Tuttomondo – Keith Harings Vermächtnis


An einer Häuserwand prangt das riesige Wandgemälde “Tuttomondo” des amerikanischen Künstlers Keith Haring.

Das Werk entstand 1989 und war eines seiner letzten grossen Kunstwerke vor seinem Tod. Die bunten Figuren symbolisieren Frieden, Zusammenleben und Harmonie zwischen den Menschen.





Der Arno – Schönheit liegt im Auge des Betrachters


Gemütlich spazierten wir weiter bis zum Fluss Arno.

Nun ja.

Wie sollen wir das diplomatisch formulieren?

Der Arno präsentierte sich heute eher in einem braun-grünlichen Farbton.

Nicht unbedingt das, was man auf einer Postkarte abdrucken würde.

Sagen wir es so:

Die Farbe erinnerte eher an eine ambitionierte Kloake als an einen romantischen Fluss.

Aber immerhin floss er.




Palazzo Blu und die Brücke ins Zentrum


Direkt am Fluss kamen wir am Palazzo Blu vorbei.

Das markante blaue Gebäude beherbergt heute eines der wichtigsten Kunstmuseen der Stadt und zeigt regelmässig wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler.


Ein Stück weiter erreichten wir die Ponte di Mezzo, die wichtigste Brücke im Zentrum von Pisa.

Von hier hat man einen schönen Blick entlang des Arno.


Direkt daneben befinden sich der Palazzo Gambacorti, das heutige Rathaus von Pisa, sowie die historischen Logge dei Banchi.


Die Loggien wurden im 17. Jahrhundert als Handelsplatz errichtet und erinnern daran, wie wichtig Pisa einst als Handelsstadt war.




Noch schläft die Stadt


Nach der Brücke bogen wir Richtung Piazza Garibaldi ab.



Von dort führte uns der Weg durch die Einkaufsstrassen weiter Richtung Hauptattraktion.


Da die Geschäfte noch geschlossen waren, war erstaunlich wenig los.

Keine Menschenmassen.

Keine Souvenirjäger.

Keine Reisegruppen mit Fähnchen.

Fast schon ungewohnt.


Unterwegs passierten wir die hübsche Chiesa di San Michele in Borgo sowie die Statue von Galileo Galilei, der bekanntlich in Pisa geboren wurde.




Die Bäder des Nero


Wenig später erreichten wir die antiken Bagni di Nerone.


Trotz ihres Namens wurden diese römischen Thermen wahrscheinlich gar nicht von Kaiser Nero erbaut.


Die Ruinen stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und gehören zu den wenigen erhaltenen Überresten des antiken Pisa.




Und plötzlich steht er da


Dann geschah das, worauf eigentlich jeder Besucher wartet.

Zwischen den Häusern tauchte plötzlich etwas Weisses auf.


Noch ein paar Schritte.

Noch eine Ecke.

Und dann stand er vor uns.


Der schiefe Turm von Pisa.


Zusammen mit dem gesamten monumentalen Komplex auf der Piazza dei Miracoli.


Da wir früh unterwegs waren, hielt sich der Besucheransturm noch angenehm in Grenzen.

Keine Selfie-Stick-Apokalypse.

Keine Menschenlawinen.

Einfach entspanntes Staunen.



Die Piazza dei Miracoli


Das Areal gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und besteht aus mehreren bedeutenden Bauwerken:


Der Schiefe Turm

Der berühmteste Glockenturm der Welt wurde 1173 begonnen.

Bereits während des Baus begann er sich aufgrund des weichen Untergrunds zu neigen.


Heute beträgt die Neigung noch knapp vier Grad und macht ihn zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Europas.


Der Dom von Pisa

Die Kathedrale Santa Maria Assunta ist ein Meisterwerk der pisanischen Romanik.

Mit ihrer prächtigen Marmorfassade, den Säulen und den kunstvollen Verzierungen gehört sie zu den beeindruckendsten Kirchen Italiens.


Das Baptisterium

Das grösste Baptisterium Italiens beeindruckt durch seine einzigartige Akustik und seine imposante Kuppel.


Der Camposanto Monumentale

Ein monumentaler Friedhof mit wunderschönen Kreuzgängen und historischen Fresken.


Museum und Sinopie-Museum

Weitere Gebäude auf dem Gelände zeigen Kunstwerke, Skizzen und historische Funde.


Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison.

Im Sommer sind die Anlagen meist zwischen 09:00 Uhr und 20:00 Uhr geöffnet.

Der Eintritt in den Dom ist oft bereits in einem Kombiticket enthalten.

Für den Schiefen Turm muss mit rund 20 Euro pro Person gerechnet werden.


Unser Tipp:

Tickets unbedingt vorab online reservieren.

Gerade in der Hauptsaison erspart das lange Warteschlangen und erhöht die Chance auf einen gewünschten Zeitslot erheblich.




Dolce Vita im Schatten


Wir schlenderten gemütlich über das Gelände, suchten uns immer wieder schattige Plätzchen und genossen die Atmosphäre.


Direkt daneben landeten wir schliesslich im Pisa Caffè.

Ein Cappuccino.

Etwas Kaltes zu trinken.


Mehr brauchte es bei inzwischen 34 Grad nicht mehr.

Während wir dort sassen, tuckerte plötzlich ein Touristenzügli vorbei und hielt direkt vor dem Café.

Normalerweise wären wir sofort eingestiegen.

Wer unsere Reiseberichte kennt, weiss das.

Aber heute?


Keine Chance.

Wir waren bereits ausreichend gegart.

Sous-vide-Stufe erreicht.


Unser einziger Wunsch war Schatten.

Und möglichst wenig Bewegung.




Rückweg durch das historische Pisa


Für den Rückweg wählten wir eine andere Route.

Dabei kamen wir am Palazzo dell’Arcivescovado, dem erzbischöflichen Palast, vorbei.



Kurz darauf standen wir mitten auf der Piazza dei Cavalieri.


Dieser Platz war einst das politische Zentrum der Republik Pisa und gilt heute als einer der schönsten Plätze der Stadt.


Hier befindet sich auch der berühmte Palazzo della Carovana, heute Sitz der renommierten Scuola Normale Superiore, einer der angesehensten Universitäten Italiens.


Die kunstvoll verzierte Fassade gehört zu den eindrucksvollsten Renaissancebauwerken der Stadt.






Das Parkhaus-Abenteuer


Zurück beim Platz vor dem Parkhaus standen wir plötzlich vor einem Problem.

Genauer gesagt vor zwei verschlossenen Türen.

Beide führten in die Tiefgarage.

Beide blieben geschlossen.

Wer hinein wollte, musste entweder die Nummer seines Parktickets eingeben…


…oder die Nummer seines Telepass-Gerätes.

Moment.


Nummer des Telepass-Gerätes?

Da war doch etwas.

Ach ja.

Diese Schilder am Morgen.

Die mit den italienischen Anweisungen.

Die wir grosszügig ignoriert hatten.

Langsam ergab alles Sinn.

Und nun?

Parkhaus-Einbruch?

Mit Brecheisen durch die Tür?

Eher nicht.

Wir sind schliesslich im Urlaub und nicht auf einer Mission Impossible.

Also drückten wir den Hilfeknopf.

Es klingelte.

Und klingelte.

Und klingelte.


Wir hatten eigentlich bereits aufgegeben und suchten gedanklich nach Alternativen, als plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher krächzte.


Wir erklärten unser Problem auf Englisch.

Die Dame blieb erstaunlich freundlich.

Wahrscheinlich waren wir nicht die Ersten.

Kurze Zeit später öffnete sich die Tür.

Legal.

Offiziell.

Und ohne Vorstrafenregister.


Mission erfolgreich abgeschlossen.



Zurück auf dem Campingplatz


Wieder einmal leicht sous-vide gegart erreichten wir den Campingplatz.

Doch der Tag war noch nicht ganz vorbei.


Denn plötzlich raste ein völlig furchtloses Eichhörnchen quer über unseren Stellplatz.

Unter Martins Stuhl hindurch.

An Woody vorbei.

Direkt auf den nächsten Baum.

Woody war sofort elektrisiert.


Offenbar wollte er spontan herausfinden, ob Hunde möglicherweise doch klettern können.


Die Antwort lautet übrigens:

Nein.

Können sie nicht.

Zum Glück.


Sonst hätten wir den restlichen Nachmittag vermutlich damit verbracht, unseren Hund aus einer Baumkrone zu retten.

Und ganz ehrlich:

Für heute hatten wir bereits genug Abenteuer erlebt.



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