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Bosnien & Herzegowina - 14.06.2025 - Sarajevo

  • Autorenbild: Bummelroute
    Bummelroute
  • 14. Juni 2025
  • 7 Min. Lesezeit

🇧🇦 Sarajevo – Sonne, Geschichte & Glühwürmchen


Na, habt ihr uns schon vermisst?

Ja, wir uns auch…


Martin hat sich der Technik gewidmet: Die kaputte Radschürze? Wieder dran. Ein Spannset, das unsere Kabine auf dem Pickup hält, hat aufgegeben – aber Martin MacGyver (ja, genau der) hat natürlich auch das wieder hingekriegt. Mit von der Partie: Woody, unsere Wundernase und treue Schrauberhilfe. Pfoten dreckig, Laune top.



Und als ob das noch nicht nett genug wäre, kamen abends ein paar Glühwürmchen vorbei, um kurz “Hallo” zu sagen. Ein kleiner Besuch, der den Tag wunderbar rund gemacht hat. Wie nett, nicht?



Samstag, 14.06.2025 – Kulturprogramm ON


Früh raus, Kabine abgesattelt, Woody eingepackt, Sonnencreme ins Gesicht – 9:00 Uhr Startschuss Richtung Sarajevo.


Zum Glück sind wir nicht ganz unvorbereitet losgezogen – Senad, der sympathische Campingplatzbesitzer, hat uns netterweise gleich mit einer Tourikarte versorgt. Sehr praktisch, sehr freundlich – und mit einem kleinen Augenzwinkern vermutlich auch eine sanfte Erinnerung daran, dass man sich in dieser Stadt ruhig mal ordentlich verlaufen darf.

Keine 30 Minuten später - in der Stadt angekommen. Vorab haben wir das Parkhaus „Underground Garage“ ausfindig gemacht:


Es ist ein angenehm kühles Parkhaus – perfekt, um Woody schattig und entspannt im Auto zu lassen. Denn heute geht’s auf Entdeckungstour – und ja, auch mal in Gebäude hinein, nicht nur draußen rumlaufen. 😅



🏛️ Rathaus Sarajevo – vom Staunen kaum erholt


Direkt beim Ausgang unseres Parkhauses standen wir auf einem großzügigen Platz – und wurden sofort von den berühmten Großbuchstaben “Sarajevo” begrüßt. Dahinter erhebt sich eines der eindrucksvollsten Gebäude der Stadt: das Rathaus von Sarajevo, auf Bosnisch „Vijećnica“ genannt.


In mehreren Ratgebern hatten wir schon gelesen, dass man sich das Rathaus von innen unbedingt anschauen sollte – es sei ein architektonisches Meisterwerk. Und was sollen wir sagen? JA, das gönnen wir uns: 10 Konvertible Mark (etwa 5 Euro) pro Person Eintritt – und jeden Cent wert.


Die Geschichte in kurz:

Das Vijećnica, wie es offiziell heißt, wurde 1896 erbaut – einst als Rathaus der Stadt. Später diente es auch als Nationalbibliothek.

Im Bosnienkrieg, 1992, wurde es bei einem gezielten Artillerieangriff fast vollständig zerstört, inklusive von rund 2 Millionen Büchern und Schriften.

Nach jahrzehntelanger Restaurierung wurde die Vijećnica schließlich 2014 wiedereröffnet – detailgetreu rekonstruiert und heute ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit und Schönheit Sarajevos.


Architektur zum Staunen

Und ja – dieses Gebäude ist eine Bombe. Im besten Sinne. Wir kommen kaum aus dem Staunen heraus: filigrane Ornamente, kunstvoll bemalte Decken, majestätische Bögen und eine Lichtstimmung, die fast schon magisch wirkt.


Wir konnten bei unserem Besuch folgende Bereiche erkunden:


  • die Aula (das Atrium) mit ihrer märchenhaften Kuppel,

  • die zeremonielle Halle, in der früher Staatsempfänge abgehalten wurden,

  • den Memorial Room für Franz Ferdinand und Sophie, die 1914 unweit von hier ermordet wurden – ein Ereignis, das den Ersten Weltkrieg auslöste,

  • sowie die City Council Hall, wo heute wieder kommunale Entscheidungen getroffen werden.



Ein Ort voller Geschichte, Tragik und Schönheit. Wenn ihr je nach Sarajevo kommt: Geht rein. Wirklich. Nur schon die Architektur ist ein Erlebnis für sich.






Kazandžiluk – Willkommen im Kupferwunderland


Nach dem Rathausbesuch geht unsere Entdeckungstour weiter – mitten hinein in das Herz der Altstadt: die berühmte Kazandžiluk, auch bekannt als Coppersmith Street.


Die engen Gässchen ziehen uns sofort in ihren Bann. Hier reiht sich ein Souvenirshop an den nächsten, kleine Cafés duften nach starkem Kaffee, es gibt Baklava in allen Varianten – und natürlich die Spezialität dieser Straße: Kupferkunst vom Feinsten. Teller, Teekannen, Schalen, Lampen – alles kunstvoll gehämmert und verziert. Wer hier mit leeren Händen rausgeht, hat starke Nerven.


Dazwischen Teppichhändler mit prachtvollen Stücken in satten Farben, und ja – auch Verkäufer von Pelzmänteln. Bei 30 Grad im Schatten vielleicht nicht das naheliegendste Mitbringsel, aber der Wille zählt. Es fühlt sich fast so an, als hätte man gerade Bosnien verlassen und sei durch eine Seitengasse direkt in den Orient eingetaucht. Einfach magisch.



⛲️ Der Sebilj-Brunnen – Symbol von Sarajevo


Und dann stehen wir vor ihm: dem Sebilj-Brunnen – einem der bekanntesten Wahrzeichen Sarajevos. Er befindet sich auf dem zentralen Platz von Baščaršija, der historischen Altstadt. Der Brunnen wurde 1753 im osmanischen Stil errichtet und ist ein sogenannter “Sebilj”, ein öffentlicher Trinkbrunnen, wie man ihn früher in vielen islamischen Städten fand – gestiftet von wohlhabenden Bürgern, um Reisenden Wasser zu schenken.


Der heutige Sebilj ist eine Rekonstruktion von 1891, erbaut vom österreichischen Architekten Alexander Wittek (ja, der auch das Rathaus gestaltet hat). Sein achteckiger Holzbau mit spitzem Dach ist sofort erkennbar – und stets umringt von Tauben, Straßenmusikern, Touristen und Einheimischen.


Es heisst übringes:

Wer daraus trinkt, kehrt eines Tages zurück nach Sarajevo.

Na dann… Prost?



🕌 Gazi-Husrev-Bey-Moschee


Unser Weg führt uns weiter – vorbei an einem der bedeutendsten religiösen Bauwerke des Landes: der Gazi-Husrev-Beg-Moschee. Sie liegt mitten im Herzen von Baščaršija und gehört zu den prächtigsten Moscheen Bosnien-Herzegowinas.


Erbaut wurde sie bereits 1530, benannt nach Gazi Husrev-Beg, dem damaligen Gouverneur von Sarajevo, der der Stadt nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Impulse gab. Die Moschee ist ein Musterbeispiel osmanischer Architektur auf europäischem Boden – mit eleganter Kuppel, schlankem Minarett und einem wunderschönen Innenhof mit Springbrunnen. Wer möchte, kann sie auch von innen besichtigen – natürlich respektvoll und angemessen gekleidet.


Die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt – mitten im geschäftigen Trubel der Altstadt – ist fast schon meditativ.



🧴 Sparfüchse aufgepasst:

In der Altstadt findet ihr viele Trinkwasserbrunnen mit frischem, mineralstoffreichem Quellwasser. Also: Leere Flasche mitnehmen!

Viele sagen: „Bestes Wasser der Welt.“ Wir sagen: “Kalt, sauber, lecker.”


Gazi-Husrev-Bey-Bazar


Direkt neben der beeindruckenden Gazi Husrev-Beg-Moschee liegt ein kleines Schmuckstück der Altstadt: der Gazi Husrev-Beg Bazaar. Ein charmanter Markt, der zum gemütlichen Stöbern einlädt – ideal, wenn man den Duft von Gewürzen, das Klingen von Kupferarbeiten und das lebendige Treiben auf sich wirken lassen möchte.



⛪️ Kathedrale & Kopfschüttel-Nonne


Unser Weg führt weiter zur Cathedral of Jesus’ Sacred Heart, der größten römisch-katholischen Kathedrale Bosniens – auch bekannt als Sarajevo Cathedral.


  • Die Kathedrale wurde im Neo-Gothic-Stil mit romanischen Elementen zwischen 1884 und 1887 errichtet, entworfen vom Architekten Josip Vancaš und dem Wiener Bauunternehmer Baron Karl Schwarz.

  • Ihr Design lehnt sich unter anderem an die Notre-Dame von Dijon an.

  • Die prunkvolle Innenausstattung umfasst ein Hauptaltar aus italienischem Marmor, Fresken von Alexander Seitz, farbenprächtige Rosettenfenster sowie ein Heferer-Orgel aus Zagreb.

  • Während der Belagerung von Sarajevo 1992–1995 wurde sie beschädigt, aber nicht zerstört – heute ist sie wieder vollständig restauriert und ein nationales Monument.


Wir wollten einen Blick ins Innere werfen – doch plötzlich standen wir einer Nonne gegenüber. Sehr freundlich, aber bestimmend, zeigte sie uns, dass wir nicht eintreten dürfen. Leider verstanden wir nicht ganz, was sie meinte, aber ihr Lächeln war so herzlich, dass wir einfach nickten und uns diskret zurückzogen. Eine unerwartete, aber sympathische Begegnung – man merkt: Hier lebt der Glaube mit viel Respekt.





Galerija 11/07/95 – schwere Kost


In Sarajevo gibt es zahlreiche Kriegsmuseen, darunter auch Einrichtungen, die sich explizit dem Schicksal der Kriegskinder widmen. Wir haben uns bewusst entschieden, nur eines davon zu besuchen – die Galerija 11/07/95, die dem Gedenken an den Genozid von Srebrenica gewidmet ist.


  • Eintritt: 24 KM (ca. 12 €) pro Person – inkl. Audio-Guide in mehreren Sprachen.

  • Ort: Die Galerie befindet sich im 3. Stock eines historischen Hauses in der Nähe der Kathedrale Herz-Jesu.



🔍 Hintergrund & Konzept


Die Galerija wurde am 12. Juli 2012 eröffnet – passend zur Trauererinnerung an die Tragödie vom 11. Juli 1995, als bosnisch-serbische Streitkräfte rund 8 372 muslimische Jungen und Männer in Srebrenica ermordeten  .


Gründer ist der renommierte bosnische Fotograf Tarik Samarah, dessen eindringliche Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Srebrenica-Tragödie auch in internationalen Museen wie dem Holocaust Memorial in Washington D.C. gezeigt wurden  .


Die Galerie versteht sich als hybrides Museum und Kunst-Galerie, das dokumentarische und künstlerische Formen kombiniert. Das Ziel ist, nicht nur die historische Erinnerung zu bewahren, sondern aktiv gegen Gewalt zu mahnen. Der räumliche Aufbau mit Fotos, Karten, Audio- und Videomaterial erzeugt eine beklemmende Atmosphäre  .


🕯️ Unser Besuch & Eindrücke

  • Stille wie in einer Kirche: So still war es dort – man könnte eine Feder hören.

  • Die kleine Fläche von etwa 300 m² reicht aus, um viel Gewicht in Worte und Bilder zu packen  .

  • Der Audio-Guide erzählt in ruhiger Stimme persönliche Geschichten aus Srebrenica – erschütternd und leise.

  • Die Fotografien sind intensiv, zeigen Überreste des Lebens, Namen der Opfer, Familienbilder – einige der schockierendsten Fotos haben wir aus Respekt nicht selbst dokumentiert.


Wir haben nicht jeden Winkel Fotografiert – denn manche Bilder sind zu schwer, um sie mit nach Hause zu nehmen. Aber das, was wir gesehen und gehört haben, bleibt tief eingebrannt.




Markthalle


Nach der intensiven Erfahrung in der Galerija 11/07/95 brauchten wir erst einmal wieder etwas zum Durchatmen. Und was bietet sich da besser an als ein Ort voller Leben, Duft und Alltagskultur? Also ging’s weiter zur Markthalle von Sarajevo, der Gradska Tržnica – mitten im Zentrum der Stadt.


Schon beim Hineingehen strömt uns der Duft von frischem Fleisch, Fisch, Käse und anderen regionalen Leckereien entgegen. Die Verkäufer grüßen freundlich, die Stände sind ordentlich aufgereiht, und alles wirkt irgendwie authentisch und bodenständig. Kein großer Touri-Rummel – einfach echtes Sarajevo.


🕯️ Ewige Flamme


Nach dem lebendigen Trubel der Markthalle führte uns unser Weg zur Ewigen Flamme (bosnisch: Vječna Vatra) – einem stillen, aber eindrucksvollen Denkmal im Herzen der Stadt.


Geschichte & Bedeutung

  • Die Flamme wurde am 6. April 1946 entzündet – exakt ein Jahr nach der Befreiung Sarajevos vom nationalsozialistischen und faschistischen Regime  .

  • Sie erinnert sowohl an die militärischen und zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs als auch symbolisch an den späteren Widerstand während der Belagerung von 1992–1996, der ebenfalls im April begann  .

  • Entworfen wurde das Denkmal vom Architekten Juraj Neidhardt und befindet sich vor dem ehemaligen Landesbank-Gebäude, an der Kreuzung von Mula Mustafa Bašeskije, Titova und Ferhadija Straße  .

  • Der bronzene Kranz, der die Flamme umgibt, trägt eine Inschrift in den Farben der ehemaligen jugoslawischen Flagge (Blau-Weiß-Rot):


    „Mit Mut und dem gemeinsam vergossenen Blut… Sarajevo wurde befreit… Ewiger Ruhm und ewige Dankbarkeit…“  .



Was man noch machen könnte – wenn man Zeit (und Schatten) hat


  • Mit der Sarajevo Seilbahn hinauf auf den Trebević

  • Sonnenuntergang an der Yellow Fortress

  • Und: der berühmte Kriegstunnel – leider nichts für uns diesmal, denn dort gibt’s nur einen Parkplatz in der Sonne und bei 30 Grad wollen wir Woody nicht im Auto grillen lassen.


🕳️ Was ist der Kriegstunnel?


Der sogenannte „Tunnel der Hoffnung“ wurde 1993 unter dem Flughafen hindurch gebaut – von Zivilisten, als geheimes Verbindungsstück während der Belagerung von Sarajevo.

Er verband die eingeschlossene Stadt mit der Außenwelt – für Lebensmittel, Waffen, Medikamente und Menschenleben.

Heute ist ein Teil davon als Museum zugänglich.


Impressionen aus Sarajevo



Fazit Sarajevo – Da geht noch mehr


Ja, wenn man in der Nähe ist, kann man Sarajevo auf jeden Fall mitnehmen. Die Stadt hat Geschichte, Ecken mit Charme, ganz viel Tragik – und irgendwie auch was Eigenes.


Aber mal ehrlich: Wir haben auf unseren Reisen Städte gesehen, die uns mehr begeistert haben.

Sarajevo? Interessant, anders, aber nicht ganz unser Lieblingsplatz. Vielleicht war’s die Hitze, vielleicht zu viel Geschichte auf einmal – oder einfach nicht der richtige Tag.



Zurück im Schatten


Zurück auf dem Campingplatz wird erstmal im Schatten gechillt.

Wir schwitzen schon beim Schreiben dieses Blogs… und Woody schnarcht im Halbschatten.


Morgen geht’s weiter – wohin?

Das erfahrt ihr bald – aber so viel sei verraten: Abenteuerlust ist gepackt.

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